Initiative für eine weltanschaulich und religiös neutrale Schule


Bernd Winkelmann, Pfarrer im Ruhestand und ehemaliger Leiter der evangelischen Begegnunsstätte Burg Bodenstein, hatte zur beabsichtigten "christlichen" Ausrichtung der staatlichen Grundschule in Worbis einen Artikel für die lokalen Tageszeitungen geschrieben. Er schreibt dort, die Trennung von Staat und Kirche sei ein kostbares Verfassungsgut und er halte es für einen falschen Weg, die allgemeinbildenden staatlichen Schulen aus ihrer weltanschaulichen Neutralität zu lösen. Bernd Winkelmann möchte sein Unabhängigkeit bewahren und nicht unserer Initiative beitreten, hat jedoch seine freundliche Zustimmung zu einer Veröffentlichung seines Artikels auf unserer Netzseite gegeben. In der TA und TLZ erschienen nur gekürzte Versionen. Hier ist der vollständige Artikel:

Artikel für Eichsfelder Tageszeitung zum Vorschlag des Landrates, die staatliche Schule in Worbis in eine "Christliche Schule" zu verwandeln

Bernd Winkelmann, Pfr. i. R. — Adelsborn 29.5.2009

Ich teile das Anliegen des Landrates Dr. Henning, gegen den Werteverfall unserer Zeit den Kindern und Jugendlichen verstärkt eine humanistische und christliche Wertorientierung zu vermitteln. Doch halte ich es für einen falschen Weg, die allgemeinbildenden staatlichen Schulen aus ihrer weltanschaulichen Neutralität zu lösen und in 'christliche Schulen' zu verwandeln. Die Trennung von Staat und Kirche ist ein kostbares Verfassungsgut, das von beiden Seiten oft genug zum Schaden der Menschen verletzt wurde.

Für eine grundlegende ethisch-humanistische Bildung in den öffentlichen Schulen sind die Wertorientierungen unserer Verfassung ausreichend: die Unantastbarkeit der Menschenwürde eines jeden, Respekt und Schutz der Meinungsfreiheit, die Nichtdiskriminierung von Menschen anderer Religionen, Weltanschauungen oder Volkszugehörigkeit, die Sozialpflichtigkeit des Eigentums und die Wahrung und Wahrnehmung politischer Grundrechte. Diese Wertorientierungen sind verpflichtend für alle Schulen, für alle Lehrer und in allen Fächern. Diese Orientierung kann und soll vertieft werden in den Fächern Ethik und Religion. Wer darüber hinaus mehr will, kann seine Kinder in freie Schulen kirchlicher Trägerschaft schicken.

Vor allem sollte bedacht werden, dass die eigentliche Hinführung zum persönlichen Glauben in den Elternhäusern, in den Kirchgemeinden und in speziellen kirchlichen Angeboten für Kinder und Jugendliche ihren Platz hat. Hier anziehend und überzeugend zu sein und z.B. dafür zu sorgen, dass die Konfirmation nicht zur Modenschau verkommt, ist entscheidend.

Im Eichsfeld christliche Schulen zur besonderen Pflege Eichsfeldischer Tradition einzurichten, ist mir sehr fragwürdig. In den Schulen sollte ein weltoffener Geist gepflegt werden, der es versteht, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich kritisch mit den Zeitgeistern unserer Zeit auseinander zu setzen. Wer sich wirklich von christlicher Wertorientierung leiten lässt, der sieht, dass die tiefste Wertekrise unsere Zeit von einer schleichenden kapitalistischen Alltagsideologie ausgeht. Sie verbreitet in Werbung und Medien, im Arbeitsplatzkampf und Wirtschaftsweise den Ungeist von Eigensucht und -Y¥Geiz ist geil´-Parolen, von Konkurrenz- und Ellbogenmentalität, Gier und Selbstbereicherung auf Kosten des Gemeinwohls und der Zukunft unserer Kinder. Dass dieser Ungeist unsere ganze Zivilisation in den Ruin führen kann, zeigt die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise. Das zu durchschauen, dagegen anzutreten und Kinder und Jugendliche dagegen zu wappnen, ist wichtigste Aufgabe aller Erziehungsträger.

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